Das Praktische Jahr

Nach dem zweiten Staatsexamen beginnt der letzte große Abschnitt des pharmazeutischen Studiums: das Praktische Jahr.

Der BPhD e.V. hat dazu Informationen zusammengestellt, die einen Überblick geben sollen, was einen in dieser Zeit erwartet und welche Möglichkeiten man hat.

Dazu führt der BPhD e.V. Umfragen bei fertigen Pharmazeuten im Praktikum (PhiPs) durch, in denen die Ausbildungsapotheken bewertet werden. Die Ergebnisse dieser Umfragen sind ebenfalls hier zu finden.

Die PJ-Börse ist ein wichtiger Teil dieser Homepage; dort können Apotheker und Betriebe Stellenangebote für Famulaturen oder das Praktische Jahr aufgeben. Die Studierenden haben damit eine Plattform, um schnell mit einem potentiellen Ausbildungs-Apotheker oder Betrieb in Kontakt zu treten.

Infos und Angebote zu Praktika oder PJ außerhalb Deutschlands findet ihr unter der Rubrik Ausland.

Noch Fragen? Dann schreibt uns einfach eine Mail an jungpharm(at)bphd.de oder schaut mal bei pharma4u vorbei!

 

Nach acht Semestern und erfolgreichem zweiten Staatsexamen, schließt sich das Praktische Jahr an das Studium an. Während des Praktikums ist man Auszubildender, in fast allen Fällen aber kein Student mehr. Ob und wann man allerdings exmatrikuliert wird, hängt von der jeweiligen Universität ab.

Das Praktische Jahr gliedert sich in sechs Monate, die in einer öffentlichen Apotheke absolviert werden müssen und sechs Monate, die wahlweise auch in einer Krankenhausapotheke, der pharmazeutischen Industrie, einem Universitätsinstitut oder anderen Institutionen abgeleistet werden können. Über die Anerkennung eines z.B. im Ausland absolvierten Praktikums entscheidet das zuständige Landesprüfungsamt, in Zweifelsfällen sollte man sich schon einige Zeit vor Beginn bei der Behörde darüber erkundigen und sich das Ergebnis schriftlich mitteilen lassen.

Während dieses Jahres, in dem der Praktikant ganztägig unter Aufsicht eines Apothekers (oder im Falle einer Universität oder Forschungsinstitituts eine Hochschulprofessors) zu arbeiten hat, sollen die im Studium vermittelten Kenntnisse vertieft und alle Kenntnisse, die für die praktische Arbeit des Apothekers notwendig sind, erlernt werden.

Geregelt wird die Praktische Ausbildung durch §4 der AAppO.

Aus den langjährigen Erfahrungen vieler Praktikanten hat der BPhD eine Checkliste erarbeitet, die nach objektiven Kriterien die Auswahl einer vernünftigen Ausbildungsapotheke ermöglichen soll. Diese objektiven Kriterien können natürlich nie das subjektive Wohlfühlen unter den zukünftigen Kollegen ersetzen. Außerdem hat der BPhD auch einen PJ-Ratgeber erarbeitet, der auch Informationen für ein mögliches Ableisten eines Teils des PJs in Industrie oder im Ausland enthält. Dieser stellt einen kurzen Leitfaden dar, wie man bei entsprechendem Wunsch am Besten vorgehen könnte. Natürlich kann er keine vollständige to-do-Liste mit Kontaktadressen sein sondern nur Hinweise geben, die den Einstieg in die Materie erleichtern. Für Fragen, die durch diese Unterlagen nicht geklärt werden können, steht Euch der Beauftragte für Jungpharmazeuten des BPhD gerne zur Verfügung.

Allgemein gilt, dass für das PJ in der öffentlichen Apotheke häufig, aber bei weitem nicht immer, ein persönliches Vorstellen ausreichend ist, während z.B. in der Pharmazeutischen Industrie eine schriftliche Bewerbung üblich ist. Am besten erkundigt man sich im Vorfeld (und sei es bei Bekannten, die dort bereits gearbeitet haben). Viele Informationen findet man aber auch in Stellenanzeigen oder auf der Homepage des Wunscharbeitgebers.

Hat man eine Ausbildungsstätte gefunden, so steht, wenn Besichtigung der Arbeitsstätte und Vorstellungsgespräch zu beiderseitiger Zufriedenheit verlaufen sind, als nächstes das Unterschreiben eines Arbeitsvertrags an. Auch hierfür steht eine Hilfe bereit. Der vom BPhD entworfene Arbeitsvertrag enthält alles, was für Praktikanten und Apotheker wichtig ist und bietet eine ausgewogene Grundlage für das Ausbildungsverhältnis. Leider ist es nicht so einfach, einen Standardvertrag für die Tätigkeit außerhalb der Apotheke anzubieten, da sich z.B. Verträge in der Industrie häufig auch an den Tarifverträgen der chemischen Industrie orientieren. Wichtig ist, dass der Vertrag alle Bedingungen der AAppO erfüllt.

Einen möglichen Vertrag für das Praktische Jahr in einer Apotheke findet ihr hier (Mustervertrag).

siehe auch ADEXA - Die Apothekengewerkschaft

Während unseres Praktischen Jahres befinden wir uns noch in der Ausbildung, auch wenn dies nicht allen Apotheker bekannt zu sein scheint. Daher beziehen wir in dieser Zeit auch ein Auszubildendengehalt von meist 880 €.Daher gibt es in vielen Apothekerkammern mittlerweile die Möglichkeit, sich durch einen Auszubildendennachweis als solcher auszuweisen. Leider gibt es in diesem Punkt keine bundesweit einheitliche Regelung.In Folgenden Kammern bekommt ihr einen Ausbildungsausweis. Dies geschieht oft automatisch. Solltet ihr keinen erhalten, fragt einfach bei der Kammer nach:
  • Baden-Württemberg (seit 2008)
  • Brandenburg (seit 2011)
  • Bremen (ab 2012)
  • Hamburg (seit 2006)
  • Hessen (2011)
  • Niedersachsen (seit 2004)
  • Nordrhein (seit 2011)
  • Saarland (seit 2011)
  • Sachsen-Anhalt
  • Westfalen-Lippe (seit 2011)
Einige Kammern haben zwar keinen Ausbildungsausweis, jedoch könnt ihr euch für die Zeit eures PJ in diesen Kammern ein Schreiben ausstellen lassen, welches euch als Auszubildenden ausweist:
  • Rheinland- Pfalz
  • Sachsen
  • Thüringen
In folgenden Kammern gibt es bisher keine der beiden Möglichkeiten: 
  • Berlin
  • Bayern
  • Mecklenburg-Vorpommern
  • Schleswig-Holstein
In der bayrischen Apothekerkammer kann man sich eine Stellungnahme unter folgendem Link herunterladen und ausdrucken.Bei den Kammern, wo es derzeit noch nicht möglich ist, bleiben wir weiterhin dran...

Gehalt und Arbeitszeiten in der Apotheke sind durch den Tarifvertrag für Apotheker, geschlossen zwischen Adexa, der Apothekengewerkschaft und dem Arbeitgeberverband Deutscher Apotheken, geregelt. Momentan beträgt die für eine Anstellung in Vollzeit notwendige Arbeitszeit 40,0 Stunden je Woche, der Urlaubsanspruch 33 Werktage (nach 5-jähriger ununterbrochener Betriebszugehörigkeit 34 Werktage), jeweils bezogen auf 6 Werktage je Woche. Das Gehalt für Pharmazeuten im Praktikum beträgt momentan lt. Tarifvertrag (Stand: 1. Januar 2016) 880,00 Euro. Soweit die Regelungen des Tarifvertrags, der aber leider nur dann als Mindeststandard verpflichtend ist, wenn sowohl Arbeitgeber als auch Praktikant Mitglieder der verhandelnden Organisationen sind. Dies trifft zwar auf viele Apothekenleiter zu, nicht aber auf alle. Über Euren eigenen Status wisst Ihr ja Bescheid. Auch wenn der Tarifvertrag nicht verpflichtend gelten sollte, so kann er doch als Richtschnur gelten, wobei bessere Regelungen immer möglich sind.

Nähere Informationen zum Tarifvertrag für die Apotheke erhaltet Ihr bei der zuständigen Gewerkschaft Adexa.

Bei Praktika im Krankenhaus, der Industrie, Forschung oder sonstigen Arbeitgebern gelten häufig andere Tarifverträge, was häufig zu anderen Wochenstundenzahlen, weniger Urlaub und mehr oder weniger Gehalt führen kann.

Unabhängig von obigem ist der Praktikant für die Dauer des Begleitenden Unterrichts, der verpflichtend zu besuchen ist und von den Apothekerkammern veranstaltet wird, unter Gehaltsfortzahlung freizustellen. Dabei spielt es keine Rolle, wo der Praktikant tätig ist.

Da das Praktische Jahr Teil der Ausbildung ist, sind auch die Ausbildungsinhalte en detail in Anlage 8 der Approbationsordnung geregelt. Orientierung und genauere Informationen findet man im „Leitfaden für die praktische Ausbildung von Pharmazeuten im Praktikum“  der Bundesapothekerkammer. Dazu gehören außerdem noch ein Musterausbildungsplan und Arbeitsbögen zu allen wichtigen Themen. Ziel dieses Leitfadens, an dessen Erstellung der BPhD beteiligt war, ist es, die praktische Ausbildung in der Apotheke auf ein einheitlich hohes Niveau zu bringen.

Der theoretische Teil der Ausbildung wird im begleitenden Kammerunterricht vermittelt. Dabei bieten die Kammern aller Bundesländer, in denen man Pharmazie studieren kann den so genannten Praktikumsbegleitenden Unterricht (PBU) an. Im Normalfall wird der PBU in dem Bundesland besucht, in dem man sein zweites Staatsexamen abgelegt hat. Allerdings ist es in Bayern und Berlin möglich, den Unterricht auch als Block zu besuchen, was für Studierende aller Bundesländer, die eine Hälfte ihres Praktischen Jahres im Ausland bestritten haben und so den PBU ihres Bundeslandes verpasst haben, von Nutzen sein kann. Dies sollte jedoch immer im Vorfeld mit dem Landesprüfungsamtes des jeweiligen Bundeslandes abzuklären. Auch ist es gerade in Berlin nicht so einfach, sich als Nicht-Berliner sicher für den Unterricht anzumelden.

Eine Auflistung der Orte, in denen der Praktikumsbegleitende Unterricht stattfindet, findet ihr hier. 

Ein wichtiger Punkt ist auch die Versicherungspflicht für Pharmazeuten im Praktikum. Wer das bis jetzt noch nicht ist, muss sich für das PJ selbst krankenversichern. Anmeldung übernimmt hierbei wie immer der Arbeitgeber, genauso wie zur Pflegeversicherung und Arbeitslosenversicherung. Die Wahl der Krankenkasse trifft natürlich der Praktikant selbst. Bezüglich der Rentenversicherung ergeben sich Besonderheiten. Apotheker sind üblicherweise nicht Mitglied der Deutschen Rentenversicherung, sondern Mitglied eines Versorgungswerk für Apotheker. Zur Mitgliedschaft in Apothekerkammer und Versorgungswerk existieren je nach Kammergebiet unterschiedliche Regelungen. Teils ist hierbei die Mitgliedschaft verpflichtend, teil optional und teils auch nicht möglich. Genauere Informationen enthält ebenfalls der PJ-Ratgeber des BPhD. Details könnt ihr auch von eurem Apotheker bzw. der zuständigen Kammer und dem Versorgungswerk erfahren. Bitte bedenkt, dass ihr euch für euer Praktikum sowie bei jedem Arbeitgeberwechsel von der Deutschen Rentenversicherung abmelden müsst, wenn ihr bei der Apothekerversorgung angemeldet seid, weil ihr sonst doppelte Beträge bezahlen müsst.

An dieses Jahr schließt sich dann das dritte Staatsexamen an, in dem die im PJ vermittelten Kenntnisse noch einmal geprüft werden. Das dritte Staatsexamen legt ihr in dem Bundesland ab, in dem ihr auch euer zweites Staatsexamen abgelegt habt. Für die Zulassung sind neben den Bescheinigungen über die Teilnahme am Unterricht auch Bescheinigungen über die Ableistung des PJs nach Vorlage in der AAppO nötig. Bei Erfolg kann dann die Approbation beantragt werden, die die Ausbildung zum Apotheker beschließt.

Eine Bitte zum Abschluss: Sollte Euch irgendwann auffallen, dass hier angebotene Inhalte nicht mehr aktuell sind, dann informiert uns bitte darüber. Auch wir können leider nicht jede Änderung selbst bemerken.